Stellplatzcheck: Dithmarschen /Nordfriesland

Land der Horizonte – mit diesem Slogan wirbt Deutschlands nördlichstes Bundesland für sich. An Schleswig-Holsteins Westküste schweift der Blick kilometerweit über fruchtbares Weide- und Ackerland, eben wie eine Tischfläche. Nur die Deiche, mit deren Hilfe Generationen von Menschen im Lauf von Jahrhunderten der Nordsee Koog um Koog abtrotzten, begrenzen die Weite.

Wenn die Sonne den Nationalpark Wattenmeer in eine schimmernde Silberfläche verwandelt, Schäfchenwolken über den Himmel treiben und Lämmer am Gras der Salzwiesen zupfen, scheint der Friede vollkommen. Doch wenn stürmischer Nordwest weiß gischtende Brecher gegen die grünen Bollwerke branden lässt, zeigt die Natur ihre Kraft. Reisemobilurlauber finden eine Vielzahl von Stellplätzen, um die herbe Schönheit der Region zu entdecken.

–          Wöhrden, Gasthof Altwöhrden

Wir verlassen die Autobahn A 23 bei Heide-West und folgen der B 203 in Richtung Büsum. Am Kreisel biegen wir links ab auf die L 153. Wir ignorieren das erste Hinweisschild zum Gasthof Altwöhrden, denn es führt mitten in die schmalen Gassen des Zentrums. Am Ortsausgang in Richtung Meldorf folgen wir einem zweiten Hinweisschild und biegen rechts in den Schwarzen Weg ein. Wo die Straße endet, befindet sich vor einem kleinen Stallgebäude der nicht gekennzeichnete Schotterparkplatz für Reisemobile. Er bietet maximal zwei kleineren Fahrzeugen Platz – sofern er nicht von Pkws der Restaurantgäste  besetzt ist. Wir stärken uns in der nostalgisch eingerichteten Gaststube mit deftiger norddeutscher Küche und machen anschließend einen Bummel durch den Ort. Ein ausgeschilderter „Kulturpfad“ verbindet die schönsten Häuser.

–          Meldorf Hafen/Speicherkoog

Wir fahren auf der L 153 weiter Richtung Meldorf. Nach etwa zehn Kilometern, kurz vor der Stadtgrenze Meldorfs, weist nach einer lang gestreckten Linkskurve ein Schild zum Meldorfer Hafen und zum Speicherkoog. Hinter dem Hauptdeich befindet sich links eine kleine Marina, rechts ein zum See aufgestautes Flüsschen. An dessen Ufer und am Deich reihen sich Wohnmobile und Caravan-Gespanne, vornehmlich von Wind- und Kite-Surfern und naturkundlich interessierten. Ein Gebäude mit Imbiss, Sanitäranlagen und Strandkörben liegt direkt an der Schleuse. Eine Ver- und Entsorgungsstation soll 2012 entstehen. Die Stellplätze in der Nähe des Hauses haben Stromversorgung, die Kosten sind in der Übernachtungspauschale von 6 Euro inbegriffen. Wir verzichten auf diesen Luxus und wählen einen Platz mit viel Abstand zum Nachbarn. Am Seeufer lauschen wir bei Kerzenschimmer dem Schnattern der zahlreichen Wasservögel.

–          Friedrichskoog Spitze

Wir bewundern Dom und Marktplatz in Meldorf und fahren über die B5 Richtung Marne. In Helse biegen wir rechts Richtung Friedrichskoog ab und folgen der Straße bis zum auf einer Landzunge direkt hinter dem Deich gelegenen Ortsteil Spitze. Der Wohnmobilstellplatz heißt schlicht Parkplatz 2 und liegt an der kaum befahrenen Nordseestraße. Tagescamper zahlen während der Saison von April bis Oktober 2 Euro am Automaten. Die Übernachtung (ab 19 Uhr) ist kostenlos. Im Sommer wird der Parkplatz vor allem von Badegästen besucht. Der Strand liegt nur rund 300 Meter entfernt und ist über einen Fuß- und Radweg schnell zu erreichen. Am Deich, gleich neben dem Restaurant „Steff’s Fleetenkieker“, gibt es ein behindertengerechtes Toilettenhaus mit Wickelraum.  Wie in Dithmarschen üblich, stehen die Strandkörbe auf Gras. Die Urlauber teilen das Grünland mit weidenden Schafen.  Baden ist nur bei Flut möglich. Eine Stranddusche spült das Salz von der Haut. Bei Ebbe kann man unter versierter Führung den Nationalpark Wattenmeer erkunden. Hauptattraktion von Friedrichskoog ist der alte Hafen mit Krabben-Kuttern. In der Seehund-Aufzucht- und Forschungsstation ist Wissenswertes über heimische Robben zu erfahren. Durch große Unterwassersichtfenster sind die possierlichen Meeressäuger zu beobachten. Kinder haben auch an der südlichen Hafenseite Spaß. Das Spiele-Paradies „Willi“ in Form eines Wals beherbergt in seinem Bauch viele Möglichkeiten zum Klettern und Toben.

–          Büsum

Wir interessieren uns mehr für die Sturmflutenwelt „Blanker Hans“ uns nehmen den Weg zurück über Meldorf und Wöhrden. Dort biegen wir nach links auf die Bundesstraße 203 ab, die uns zum Büsumer Hafen bringt, wo auch die Ausflugs-Schiffe nach Helgoland starten. Das Hinweisschild „Blanker Hans“ führt zum wellenförmigen Ausstellungs-Gebäude. Gleich daneben befindet sich der große Wohnmobilpark, auf dem bis zu 100 Fahrzeuge jeder Größe viel Platz auf Schotter-Rasen finden. In der Sommersaison kostet die Übernachtung 13 Euro inklusive Strom, Entsorgung und Kurtaxe. 50 Liter Frischwasser sind für 50 Cent zu haben. Wer nicht bleiben möchte, wählt den günstigeren Tagesplatz gleich gegenüber. Nachdem wir in der Sturmflutwelt Zeitreisen zu den Katastrophenjahren 1362, 1825, 1962 und 1976 unternommen haben und in einer interaktiven Ausstellung vieles über Wetter, Gezeiten und Deichbau gelernt haben, steuern wir ein eindrucksvolles Bauwerk des Küstenschutzes an.

–          Tönning

Über die B 203, die L 156 und die L 305 geht es zum Eidersperrwerk, ein ab 1967 innerhalb von sechs Jahren errichtetes Bollwerk gegen Sturmfluten. Nach kurzer Besichtigung fahren wir parallel zur Eider Richtung  Tönning. Schilder weisen den Weg zum Campingplatz „Comfort Camp Eider“. Hier melden wir uns an der Rezeption an. Der Wohnmobil-Stellplatz „Eiderblick“ liegt 200 Meter weiter. Wer das Glück hat, an vorderster Front zu stehen, genießt für 11 Euro Stellplatzgebühr und 1,50 Euro Kurtaxe eine fantastische Aussicht auf den Fluss. Wir stehen auf sauber gestutztem Rasen in zweiter Reihe und schauen zwischen Wohnmobilen hindurch aufs Wasser. Per Fahrrad geht es innerhalb von fünf Minuten in den Ortskern. Das Zentrum des romantischen Städtchens bildet der 1613 gegrabene Hafen, der an eine niederländische Gracht erinnert. Weil unser Wissensdurst an diesem Tag bereits gestillt ist, lassen wir das Multimar Wattforum links liegen und radeln auf dem Deich flussabwärts, um die Abendstimmung im Naturschutzgebiet Katinger Watt zu genießen.

–          Sankt Peter-Ording

An der Westspitze der Halbinsel Eiderstedt liegt Sankt Peter-Ording. Restaurants, Boutiquen, Fitnesspark, Promenade und Wellenbad lassen keine Ferien-Wünsche offen. Berühmt ist der Kurort für seinen an der Nordseeküste raren feinen Sand. Der Strand ist so breit, dass er mit Fahrzeugen befahren werden darf. Auch Wohnmobile können tagsüber dort parken. Da jederzeit Überflutungen möglich sind, ist die Übernachtung auf dem Strand strikt verboten. Dafür bietet sich der Wohnmobilstellplatz vor dem Campingplatz Sass in der Tümlauer Bucht an, kaum einen Kilometer vom Strandübergang Ording entfernt. Der Stellplatz kostet 11 Euro zuzüglich 3,20 bis 4 Euro pro Person. Reisemobilurlauber genießen den ganzen Komfort des Campingplatzes: Vom Brötchen-Service über die modernen Sanitäranlagen bis zur Ver- und Entsorgung des Wohnmobils am Platz.

–           Witzwort

Von Tönnig fahren wir über die B 5 in nördlicher Richtung nach Reimersbude, wo wir links nach Witzwort abbiegen. Unser Ziel ist ein nahe dem Ort mit dem skurrilen Namen liegender Haubarg. Ein großes Bauernhaus mit fast quadratischem Grundriss, wie es nur auf der Halbinsel Eiderstedt zu finden ist. Der liebevoll restaurierte „Rote Haubarg“ thront inmitten von Wiesen auf der Warft. Er beherbergt ein Museum, das auf der Tenne altes landwirtschaftliches Gerät präsentiert, über Viehhaltung informiert und den Blick unters 16 Meter hohe Strohdach gewährt. Der Ausstellungs-Besuch ist gratis. In den historischen Stuben befindet sich ein Restaurant. Wohnmobilfahrer dürfen nach Genuss der feinen Küche kostenlos übernachten. Als Stellplätze stehen zwei Optionen zur Wahl: Der etwas entfernt liegende, durch Büsche geschützte, große Parkplatz und das Terrain direkt an der weiß getünchten Hausmauer, wo auch Strom noch Wasser zu haben sind. Auch montags, am Ruhetag, darf dort übernachtet werden, allerdings gibt es dann keinen Service.

–          Nordstrand-Süderhafen

Fast ebenso viel Idylle bietet unser nächster Stellplatz auf Nordstrand. Wir erreichen die Halbinsel kurz nachdem wir die B 5 bei Hattstedt verlassen haben.  Im Örtchen Süderhafen  betreibt die Familie Paulsen seit Jahrzehnten den Camping- und Wohnmobilstellplatz „Margarethenruh“. Bis zu 20 Fahrzeuge finden im Garten ihres Einfamilienhauses auf Rasen oder Schotter Platz. Je nach Saison kann man hier für 7 bis 8 Euro pro Wohnmobil plus 3,90 bis 4,50 Euro zuzüglich 1 bis 1,80 Euro Kurtaxe pro Person erholsamen Urlaub machen, „Familienanschluss“ inklusive. Uwe Paulsen grillt für seine Gäste, organisiert Kutschfahrten ins Watt, Wanderungen zum im 14. Jahrhundert während einer Sturmflut untergegangenen Kirchspiel Rungholt und Naturkunde-Vorträge im eigenen Hause. Für Ausflüge ins 18 Kilometer entfernte Husum empfiehlt sich der Bus. Die Haltstelle liegt gleich um die Ecke bei der historischen Windmühle. Frische Brötchen sind in der „Engelmühle“ ebenfalls zu haben. Schmausen vom Feinsten kann man einen Steinwurf  entfernt im Restaurant „Am Heverstrom“.

–          Reußenköge

Wir folgen der B5 in Richtung Norden bis Bredstedt und biegen westlich nach Reußenköge ab. Nach der Stippvisite auf der Halbinsel Nordstrand möchten wir die „Hamburger Hallig“ besuchen. Das winzige Eiland ist über einen fünf Kilometer langen Damm mit dem Festland verbunden. Selbst mit dem Wohnmobil darf man die einzige Warft ansteuern. Übernachtung ist aber verboten. Wir stemmen uns auf dem Fahrrad gegen den kräftigen Westwind und erholen uns bei einer kräftigen Mahlzeit im Hallig-Krog. Unser Fahrzeug haben wir auf dem Festland beim Amsinck-Haus stehen lassen. Hinter dem Informationszentrum über Hallig und Wattlandschaft finden auf vom Pkw-Parkplatz separierten Wiesen-Gelände bis zu 9 Wohnmobile bis maximal 9 Meter Länge Platz. Gegen eine Gebühr von sieben Euro kann man übernachten, duschen und die Toiletten im Gebäude nutzen. Sogar eine Münzwaschmaschine steht bereit.

–          Aventoft

Vom Sturm gebeugt sind die Bäume, die im „Gotteskoog“ unweit der dänischen Grenze den Bauernhof von Andreas Clausen schützen. Bei Süderlügum biegt man von der B5 ab und erreicht nach der Passage durch Aventoft südlich in Richtung Husum schwenkend nach 1,5 Kilometern das einsame Gehöft. Pro Wohnmobil zahlt man für die Übernachtung im bäuerlichen Garten 6 Euro, Strom kostet 2 Euro. Die Nutzung des im Stallteil installierten Bades wird mit 2 Euro pro Person veranschlagt. Kinder dürfen auf dem Pony reiten, Väter entspannen sich beim Angeln im Flüsschen „Schmale“. Hauptattraktion ist das nur drei Kilometer entfernte Nolde-Museum. Ein separater Wohnmobilstellplatz ist dort vorhanden, Übernachtung ist verboten. Der Besuch des letzten Domizils und Ateliers des dort 1956 verstorbenen und begrabenen Malers kostet 8 Euro. Zu sehen sind viele Nolde-Originale, sein selbst angelegter Bauerngarten und ein Film über das Leben des Künstlers. Von den Nationalsozialisten wurden seine Werke als „entartete Kunst“ geschmäht, er selbst mit Malverbot belegt. Nolde schuf mit letzten Farben auf Papierresten heimlich „ungemalte Bilder“. Die geliebte Heimat zu verlassen, war nie eine Option für ihn. Auch wir lassen die Ebenmäßigkeit und Ruhe der Küstenlandschaft nur ungern zurück. Die A7 führt uns wieder nach Süden.